Ratgeber
Motivationsschreiben schreiben: Aufbau und Beispiel für die Schweiz
Stand: · Bewerbino
Ein gutes Motivationsschreiben passt auf eine A4-Seite und beantwortet drei Fragen: Warum diese Stelle, warum diese Firma, warum du. In der Schweiz schreibst du sachlich, konkret und ohne Eszett. Hier findest du den Aufbau, ein kurzes Beispiel und die Fehler, die HR am häufigsten sieht.
Was Schweizer Arbeitgeber erwarten
Das Motivationsschreiben ist oft das erste Dokument, das HR liest. Der Lebenslauf zeigt, was du gemacht hast. Das Schreiben zeigt, warum du genau diese Stelle willst und was du mitbringst.
Im Schweizer Bewerbungsdossier liegt es meist vor dem Lebenslauf, danach folgen Arbeitszeugnisse und Diplome. Bei einer Bewerbung per E-Mail oder Portal gilt dieselbe Reihenfolge, gern als ein einziges PDF mit sauberem Dateinamen wie „Muster_Lea_Bewerbung.pdf".
- Eine A4-Seite, nicht mehr.
- Schweizer Schreibung: ss statt Eszett, Beträge in CHF.
- Sachlicher, freundlicher Ton. Kein Werbetext, keine Übertreibung.
- Ort und Datum, Adresse der Firma, Betreff und wenn möglich eine Kontaktperson mit Namen.
Der Aufbau: Betreff, Einstieg, Hauptteil, Schluss
Der Betreff nennt die Stelle so, wie sie im Inserat steht, zum Beispiel „Bewerbung als Sachbearbeiterin Kundendienst 80%". Die Anrede richtet sich an die Kontaktperson aus dem Inserat. Fehlt sie, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Firmenwebsite.
Der Einstieg holt die Leserin sofort ab: ein konkreter Bezug zur Stelle oder zur Firma, in ein bis zwei Sätzen. Der Hauptteil verbindet zwei bis drei Anforderungen aus dem Inserat mit Belegen aus deiner Erfahrung. Der Schluss nennt dein Interesse an einem Gespräch und, falls gefragt, Eintrittstermin oder Pensum.
Vor dem Senden lies das Schreiben einmal laut. Was sich holprig anhört, liest sich auch holprig. Prüfe Stellentitel, Firmenname und Anrede noch einmal gegen das Inserat.
Was HR beim ersten Lesen sucht
Personalverantwortliche lesen viele Bewerbungen und überfliegen zuerst. Sie prüfen, ob die wichtigsten Anforderungen aus dem Inserat erfüllt sind und ob das Schreiben wirklich für diese Stelle geschrieben wurde.
Hilfreich ist deshalb ein einfacher Schritt vor dem Schreiben: Markiere im Inserat die zwei, drei Anforderungen, die am wichtigsten klingen. Zu jeder suchst du ein konkretes Beispiel aus deiner Erfahrung. Diese Beispiele bilden später den Hauptteil.
- Passt die Erfahrung zur Stelle? Zeig es mit einer Aufgabe, die du schon gemacht hast.
- Passt das Pensum und der Eintrittstermin? Nenn beides, wenn das Inserat danach fragt.
- Warum gerade diese Firma? Ein ehrlicher Satz reicht, zum Beispiel zu ihren Kunden, Produkten oder zum Standort.
- Stimmt die Form? Fehlerfrei, eine Seite, Name der Kontaktperson richtig geschrieben.
Beispiel: so kann es aussehen
Ein erfundenes Beispiel für eine Stelle im Kundendienst. Es zeigt den Aufbau, nicht einen Text zum Abschreiben. Dein Schreiben klingt nach dir und nach der Stelle, auf die du dich bewirbst.
Sehr geehrte Frau Beispiel
In Ihrem Inserat suchen Sie jemanden, der Kundenanfragen ruhig und lösungsorientiert beantwortet. Genau das mache ich seit vier Jahren im Kundendienst eines Versandhändlers, am Telefon und per E-Mail. (Einstieg: Bezug zur Stelle statt Floskel.)
Täglich kläre ich Fragen zu Lieferungen, Rücksendungen und Rechnungen. Dabei arbeite ich mit einem CRM-System und halte jeden Fall so fest, dass ihn das Team jederzeit übernehmen kann. Deutsch ist meine Muttersprache, Französisch spreche ich im Alltag sicher. (Hauptteil: Anforderungen aus dem Inserat, belegt mit Beispielen.)
Ihr Unternehmen spricht mich an, weil Sie Kundinnen und Kunden in der ganzen Schweiz betreuen und ich meine Französischkenntnisse gern täglich einsetzen möchte. (Warum diese Firma: kurz und ehrlich.)
Über eine Einladung zu einem Gespräch freue ich mich. Ich kann per 1. Dezember beginnen. (Schluss: klarer nächster Schritt.)
Freundliche Grüsse, Lea Muster
Formulierungen, die in der Schweiz gut ankommen
Schweizer Arbeitgeber schätzen eine ruhige, klare Sprache. Kurze Sätze, aktive Verben und konkrete Beispiele wirken sicherer als lange Aufzählungen von Eigenschaften.
Statt „Ich bin teamfähig" schreibst du, wie du im Team gearbeitet hast: „Im Schichtbetrieb habe ich die Übergaben für mein Team geschrieben." Statt „Ich bin flexibel" nennst du, was das konkret heisst, etwa Wochenenddienste oder wechselnde Einsatzorte. So wird aus einer Behauptung ein Beleg.
Häufige Fehler
Die meisten Schreiben scheitern nicht an der Grammatik, sondern daran, dass sie auf jede Stelle passen würden. HR merkt das nach zwei Sätzen.
- Floskeln wie „Hiermit bewerbe ich mich" oder „mit grossem Interesse habe ich Ihr Inserat gelesen". Sie sagen nichts und kosten den besten Platz auf der Seite.
- Den Lebenslauf nacherzählen. Wähle zwei, drei Punkte, die zur Stelle passen, und belege sie.
- Superlative ohne Beleg: „äusserst belastbar", „hochmotiviert". Ein konkretes Beispiel überzeugt mehr.
- Falscher Firmenname oder falsche Kontaktperson, weil ein altes Schreiben kopiert wurde.
- Mehr als eine Seite oder sehr kleine Schrift, damit alles Platz hat.
Für jede passende Stelle ein Entwurf
Bewerbino sucht passende Stellen und entwirft zu jeder Stelle, die du freigibst, ein Motivationsschreiben aus deinen Unterlagen und dem Inserat. Du prüfst, passt an und gibst frei. Bewerbino sendet es dann mit deinem eigenen Lebenslauf und deinen Zeugnissen an HR. Ein Entwurf kostet 1 Credit und deckt fünf Fassungen.
Eine komplette Bewerbung kostet CHF 8. Zum Start gibt es 22 Credits: fünf gefundene Stellen und zwei Motivationsschreiben.
Jetzt startenHäufige Fragen
Wie lang darf ein Motivationsschreiben in der Schweiz sein?
Eine A4-Seite. Längere Schreiben werden selten ganz gelesen. Lieber drei konkrete Punkte als zehn allgemeine.
Wo liegt das Motivationsschreiben im Bewerbungsdossier?
Meist zuerst, vor dem Lebenslauf. Danach folgen Arbeitszeugnisse und Diplome. Per E-Mail am besten alles in einem PDF.
Wie beginne ich ein Motivationsschreiben ohne „Hiermit bewerbe ich mich"?
Mit einem Bezug zur Stelle oder zur Firma: Was im Inserat gesucht wird und wo du genau das schon gemacht hast. Der Betreff sagt bereits, dass es eine Bewerbung ist.
Schreibt man in der Schweiz ein Eszett?
Nein. In der Schweiz schreibt man immer ss, also „Grüsse" und „gross". Ein Eszett wirkt in einer Schweizer Bewerbung fremd.
Kann ich ein Motivationsschreiben für mehrere Stellen verwenden?
Den Aufbau ja, den Text nein. Einstieg, Belege und der Grund für die Firma sollten zu jeder Stelle neu passen.
Was schreibe ich, wenn mir eine Anforderung fehlt?
Nichts erfinden. Zeig, was du Ähnliches schon gemacht hast, oder nenn eine Weiterbildung, die du angefangen hast oder planst. Ehrlichkeit wirkt stärker als ein Versprechen.
